• teak pan 1000

August 2011

Das am Mittelmeer übliche Anlegen mit dem Heck am Kai veranlasste auch mich mir Gedanken über eine Gangway zu machen. Erste Versuche, bis zu einer dauerhaften Lösung vorerst das bei der Überführung über den Binnenweg benutzte Fenderbrett dafür zu verwenden, erwiesen sich als nicht praktikabel, da es sich unter meinem Gewicht gefährlich durchbog. Einige Wochen mogelten wir uns durch, indem wir das Boot näher an den Steg legten als dies eigentlich verantwortbar war. Dies konnte aber keine Lösung für längere Zeit sein, da das Boot nachts und bei Sturm -dann konnten wir nicht an Land- aus Sicherheitsgründen immer einen Meter vorverlegt werden musste. Logisch, dass ich in den Häfen immer aufmerksam schaute wie andere Skipper dieses Problem gelöst hatten.

Einfach ein dickeres Brett zu verwenden schied schon aus Gewichtsgründen aus und erschien mir auch wenig elegant. Ein durch drahtlose Fernbedienung gesteuertes und hydraulisch ausfahrbares System, wie es auf großen Motoryachten Standard zu sein scheint, musste es aber auch nicht sein und so suchte ich nach einem leicht handhab- und verstaubaren System, das meiner Schiffsgröße angemessen ist. In einem südfranzösischen Hafen wurde ich dann auf ein Boot aufmerksam, bei der die mechanische Verstärkung eines dünnen Brettes durch eine darunter gelegte Aluminiumleiter erreicht wurde. Die Idee imponierte mir und so dachte ich in den folgenden Wochen darüber nach, wie ich sie bei mir realisieren könnte.

Meine im Beitrag beschriebene Gangway im Einsatz. Unterwegs wird sie an der Reling festgebändselt. 

Im folgenden Winter sah ich mich in den örtlichen Baumärkten nach einer geeigneten Leiter um. Alle angebotenen einteiligen Anlegeleitern erschienen mir für die angedachte Verwendung irgendwie zu lang. Schließlich entschied ich mich für die kürzeste Variante von Hailo, die mir mit 6 Stufen auch noch überdimensioniert erschien, so dass ich sie noch um eine Sprosse kürzte. Das würde ich heute nicht mehr machen, da mir die 1,70 m des Originals inzwischen doch praxisgerechter erscheinen. Als Lauffläche ließ ich mir gleich ein passende 12 mm starke Siebdruckplatte zuschneiden. Deren rauhe Seite hat sich als rutschfeste Lauffläche auch bei Feuchtigkeit sehr bewährt. Das Problem einer leichten (ca. 4 kg) und gleichzeitig stabilen Gangway war damit gelöst. Ungleich schwerer tat ich mich mit den beidseitigen Auflagen, da sich das Ganze unvermeidlich schon bei leichtestem Seegang ständig bewegt. Ich experimentierte mit untergelegten Matten, Kissen, Fendern und versuchte sogar die Holme zu polstern. Alles funktionierte irgendwie nicht richtig.

Auch Gummizüge welche die Gangway auf der Bootsseite ohne Belastung in der Schwebe hielten, stellten mich nicht wirklich zufrieden. Eine dafür wirklich brauchbare Befestungsmöglichkeit konnte ich auf meinem Boot nicht finden und so schlich ich wieder und wieder durch die Häfen auf der Suche nach neuen Ideen.

"Du brauchst unbedingt einen Badeleitergriff." meinte mein Segelfreund Armin eines Tages. Ein solcher selbstgebauter Griff hatte sich bei seiner Bavaria sehr bewährt und war leicht in die bereits standardmäßig vorhandene Badeleiter zu integrieren. "Könnte man einen solchen Griff nicht auch gleichzeitig als Auflage für die Gangway verwenden?" schrieb ich ihm darauf zurück. Für einen schwäbischen Tüftler wie ihn war das kein ernsthaftes Problem und nach ein paar Mails hin und her hatten wir eine Lösung, die uns nicht nur praktikabel sondern auch einfach realisierbar erschien.

Bei Verwendung als Badeleiter erleichtert der Griff das Einsteigen erheblich ohne die Klappfunktion zu beeinträchtigen. Optisch unterscheidet sich meine auch als Gangwayhalterung verwendbare modifizierteVersion nur durch das Loch in der Mitte.

Als Halterung für die Gangway bietet der Griff eine stabile jeglicher Belastung standhaltende Auflage. Die Gangway kann sich horizontal frei um die zentrale Achse bewegen. Wellen werden durch das bewegliche Rohr auf der Gangwayseite ausgeglichen.

Wie bei jeder guten Lösung ist im Grunde alles ganz simpel. Armin verwendet für seinen Badeleitergriff ein 25 mm Edelstahlrohr, wie es standardmäßig auf Booten auch sonst bspw. für Sprayhoods verwendet wird. Dessen 1,5 mm Wandstärke erschien uns für meine zusätzliche Anwendung allein nicht stabil genug, so dass wir das Rohr durch ein weiteres mit 22 mm Durchmesser verstärkten. Das passt genau und ergibt eine Gesamtwandstärke von 3 mm. Für die Enden wurden passende Edelstahleinsätze mit zentrischem Gewinde gedreht und mit dem Rohr verschweißt. In der Mitte habe ich durch dieses Rohr ein 8 mm Loch gebohrt, welches als Lager für eine auf der Leiterseite vorhandene Achse dient um die sich die Gangway horizontal bewegen kann. Wie auch bei Armin wird dieses Rohr mit an der Bavaria-Badeleiter bereits standardmäßig vorhandenem Schrauben befestigt. Rein optisch unterscheidet sich mein "Badeleitergriff" von seinem nur durch das zusätzliche Loch in der Mitte.

Ein gleiches Rohr auf die Maße der Leiter angepasst fertigten wir für die Gegenseite an. Im Gegensatz zur Bootsseite muss dieses um Wellen ausgleichen zu können beweglich gelagert werden. Das ist kein Problem. Man muss lediglich darauf achten, das es nicht zu stramm zwischen den Leiterholmen sitzt und die zur Befestigung benutzten Schrauben mit Gewindesicherung einsetzen. So kann sich im Seegang alles frei bewegen. Mittig in diesem Rohr ist wiederum ein Loch in dem diesmal die als Achse für die horizontale Drehung benutzte M8 Schraube befestigt ist. Die etwa 25 mm dicke Kunststoffscheibe dient als Drehauflage und Abstandshalter. Sie trägt nicht unwesentlich zur Stabilität bei.

   
Für eventuelle Nachbauer die Halterung noch einmal als Detailaufnahme. Die  Beschreibung im Text sollte damit verständlich sein.

Die Landseite ist durch Räder ebenfalls in eine Richtung beweglich gelagtert. Auf dem Bild sieht man leider nicht, dass deren Halterung leicht angestellt ist, damit das tragende Leitergerüst keinesfalls auf dem Steg schleifen kann.

Stegseitig erfolgt die Lagerung über kleine Räder mit 80 mm Durchmesser, die man im Eisenwarenhandel erhält. Einziger Nachteil: Die als Gleitlagerlager benutzen Hülsen waren nicht aus rostfreiem Stahl zu bekommen. Ersatzweise habe ich sie dick eingefettet und damit bisher auch keine Probleme. Es empfiehlt sich die Räder nicht direkt an den Leiterholmen zu befestigen sondern Halterungen dafür zu bauen, die so angebracht werden, dass die Leiterholme keinesfalls auf dem Kai schaben können. So lang wie bei mir muss es sicher nicht sein. Ich habe damit auch versucht, die etwas zu kurz abgeschnittene Leiter wieder zu verlängern.

Ein Wort noch zu den Halterungsrohren. Wie oben beschrieben muss sich das Rohr auf der Gangwayseite drehen können, während das auf der Bootsseite dies keinesfalls darf. Allein durch die zentrischen Befestigungsschrauben ließ sich dies nicht sicherstellen, weshalb auf beiden Seiten des Bootsrohres nachträglich noch eine kleine etwas überstehende Nase aufgeschweißt wurde. Damit wird das Drehen des Rohres sicher verhindert.

Unsere Gangway hat sich inzwischen bewährt und wir sind sehr zufrieden damit. Sie ist leicht zu transportieren und schnell angebaut, wenn sie gebraucht wird. Ein unerwarteter Nebennutzen hat sich darüber hinaus ergeben. Die Anbauteile, die die Leiter zur Gangway machen, kann man in wenigen Minuten mit Schlüssel und Schraubendreher abbauen. Wenn das Boot aufgepallt ist, lässt sich sie sich dann leicht als Verlängerung der Badeleiter nutzen und man kommt so bequem an Bord. Anderweitige zum Teil aberteuerliche Konstruktionen, wie man sie immer wieder in den Shipyards sieht, oder eine Leihleiter sind damit nicht mehr notwendig.

   
Eine solche auf beiden Seiten des bootseitigen Rohres angeschweißte Nase verhindert sicher dessen Verdrehen.

Von ihren Anbauteilen befreit ermöglicht die für die Gangway benutzte Leiter einen leichten Zugang zum aufgepallten Boot.

Dieser Bericht kann nicht abgeschlossen werden ohne einen besonderen Dank an Armin zu sagen. Ohne seine Unterstützung durch Rat und vor allem auch Tat hätte ich dieses Projekt so nie verwirklichen können. Als erfahrener Segler weiß er, was an Bord gebraucht wird und vor allem was praxisgerecht gerecht ist. Dazu hat er viele Ideen. Auch auf die Gefahr hin, dass sie dann nicht mehr hierher zurückkommen möchte ich allen Interessenten sehr empfehlen mal einen Blick auf seine Webseite zu werfen.

Nachtrag Juni 2015
Die hier beschriebene Gangway hat sich so in Marinas mit Schwimmstegen bewährt. Seit 2012 sind wir mit dem Boot in Griechenland. Niedrige Schwimmstege sind dort eher die Ausnahme. Ich habe deshalb einige Modifikationen vorgenommen. Zum einen wurde die doch recht kurze Leiter durch eine 2,70 m lange ersetzt. Zum anderen gibt es jetzt auf Höhe des Cockpitbodens ein weiteres Loch in das der Dorn eingesetzt werden kann. Außerdem habe ich ein Brett mit ebenfalls einem Loch für den Dorn gebaut, das alternativ für das herausnehmbare Bankteil am Heck der Bavaria eingesetzt werden kann. Mit drei verschiedenen Höhen auf denen wir die Leiter bootsseitig einhängen können, sind wir jetzt für alle denkbaren Kaimauern gerüstet.