Als Segler habe ich es mit dem Edersee nicht besonders. Obwohl es sich um Deutschlands größten Stausee handelt, ist das Gewässer doch sehr überschaubar. Im Sommer gibt es außerdem regelmäßig kein Wasser, weil das dann für die Schifffahrt auf der Weser gebraucht wird. Ebenso regelmäßig beginnt dann das große Schimpfen der dort ansässigen Segler. Sie vergessen gern, dass genau dafür die Edertalsperre vor hundert Jahren gebaut wurde.

 Sommertag am Edersee

Obwohl ich seit bald fünfzig Jahren im Besitz einer Lizenz bin, habe ich es mit Amateurfunk auch nicht besonders. Damals als Schüler interessierte mich  vor allem die Technik, was schnell nachgelassen hat, nachdem ich mich beruflich genügend austoben durfte.  Lediglich die, gemessen an der Gesamtbreite des Amateurfunks, verschwindend kleine Sondersparte „Amateurfunk auf Yachten“ ist heute mein Betätigungsfeld. Als Ingenieur für Nachrichtentechnik finden logischerweise  auch jetzt vorwiegend die technischen Aspekte mein Interesse.

Besonders Langfahrtsegler wissen schon lange, welche Vorteile Amateurfunk für sie hat. Von hoher See verschicken sie Mails und bekommen Wetterberichte über Kurzwelle. Außerdem trifft man sich regelmäßig in vielen Netzen rund um den Globus und tauscht so wichtige Informationen untereinander aus. Der gemeinnützige Verein INTERMAR betreibt schon seit 1969 ein solches Netz von Deutschland aus und berät Segler vorwiegend in Wetterangelegenheiten. Auch ich habe diesen kostenlosen Service schon wiederholt genutzt und mich gern auf längeren Törns begleiten lassen.

Was gut ist findet Nachahmer.  Seit einiger Zeit gibt es zwei weitere deutsche Gruppierungen, die sich ebenfalls die Betreuung von Seglern zur Aufgabe gemacht habe. So hin und wieder schaue ich auch auf deren Webseiten. Es ist ja nicht auszuschließen, zwischen technischen Plattitüden (Kontakte sauber halten!) und unendlich viel AFU-typischer Laberei, mal eine brauchbare Information zu finden. So stieß ich auf „Rolf, den Raisbauern vom Edersee“.

Der Edersee liegt quasi vor meiner Haustür.  Reis kenne ich auch, bei uns wächst der aber nicht. Was ist dann ein Raisbauer? Da von dem immer wieder die Rede war, fasste ich mir ein Herz und bat um Aufklärung. Vielleicht könnte man so ja sogar einen interessanten Menschen in der Nachbarschaft kennenlernen. Ergebnis: Den gibt es nicht, alles nur Fiktion bzw. blödes Geschwätz, wie vieles andere auf der Seite auch, was freimütig eingeräumt wurde.  Was soll das Ganze dann, frage ich mich. Was soll ein Segler mit einem Netz, bei dem er nicht weiß, was Realität und was Dummschwatz ist? Haben  die Leute unterwegs so viel Langeweile, dass sie sich die Zeit mit Scherzen vertreiben müssen? Aus meiner eigenen Segelpraxis kenne ich das anders. Selbst als Pensionär ist mir meine Zeit für so etwas zu schade.  Wenn ich mich überhaupt an Netzen beteilige, bleibe ich doch lieber beim Original.